Wochenimpuls: Wir haben etwas zu lachen

07.04.2026 |

Liebe Leserinnen und Leser,
auch wenn die aktuelle Weltlage eher zum Heulen ist. Wir Christen haben was zu lachen. Wir feiern Ostern. Wir feiern das Leben und freuen uns an Gott und seiner Liebe, die stärker ist als der Tod, stärker als Trauer, Tränen, Angst und Sorge.

Ostern sagt: Gott ist uns nah mit seiner Liebe und mit dem Segen des Himmels. Darum brauchen wir auch in Zeiten wie diesen nicht zu verzweifeln. Wir dürfen hoffen. Gott lässt uns und diese Welt nicht im Stich. Er will, dass wir leben und mutig in jeden Tag gehen – mit seiner Kraft. Ostern: Ein Fest, das einlädt zu lächeln – trotz aller Sorgen und Ängste.
 Ich muss da an eine gotische Schnitzfigur aus dem 13. Jh. denken, die ich während eines Besuchs im Kloster Wienhausen bei Celle entdecken konnte. Das einstige Zisterzienserinnenkloster ist heute ein evangelisches Damenstift und berühmt für seine mittelalterlichen Kunstschätze. 
Da sitzt der gut ein Meter hohe Auferstandene in feinem Gewand mit einem Lächeln im Gesicht auf seinem Sarg, die Beine locker übereinandergeschlagen. Und die Wunden an Händen und Füßen – sie sehen aus wie kleine rote Sonnen. Jesu Gesicht wirkt erlöst, befreit und sein feines, heiteres Lächeln steckt an.
Die ersten Christen haben Jesus so gut wie nie heiter oder gar lächelnd dargestellt. Vielleicht wollten sie ihn einfach nicht zu menschlich wirken lassen. Der Kirchenvater Johannes Chrysostomos (+ 407) war davon überzeugt war, dass Jesus nie gelacht habe. 
Im Hochmittelalter legten Dominikaner und auch Franziskaner Regeln für ein moralisch gutes und ein moralisch schlechtes Lachen fest. Der Spaß bekommt gleichsam als Ausnahmeerscheinung seinen festen Platz – etwa zu Fastnacht oder in der Osterliturgie.  
Von Martin Luther stammt der schöne Satz: "Gott hat kein Gefallen an der Traurigkeit des Geistes, sondern will, dass wir in ihm sollen fröhlich sein. Darum hat er auch seinen Sohn nicht gesandt, dass er uns betrübe, sondern fröhlich mache." 
Ostern will genau dies: nicht beschweren, nicht betrüben, sondern erfreuen. Das heißt nicht, dass dieses Fest nicht darum weiß, dass das Leben oft zum Weinen ist und Leid und Elend und Sorgen und Ängste real und allgegenwärtig sind. 
Es geht in diesem Fest um eine innere Haltung zum Leben. Hoffungsvoll und humorvoll. Hoffnungsvoll, weil die Ostergeschichte uns auch heute noch sagt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott verwandelt. Tränen werden getrocknet. Viele durften sie schon erleben...diese kleine Auferstehung mitten am Tage.
Wenn eine völlig verfahrene Situation sich doch noch löst. Wenn Trauer sich langsam verwandelt und die Lebensfreude zurückgekehrt. Wenn lähmende Angst uns verlässt. Wenn ein Gebet erhört wird.
Ostern sagt mir: Gott macht neue Anfänge möglich. Auch für mich. Ich soll an meinen Fehlern, meinen Macken, meinen Sorgen, meinem Scheitern nicht zerbrechen. "Vergnügt, erlöst, befreit" - so hat es der Kabarettist Hans Dieter Hüsch beschrieben:
 
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze hier und her
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
 
Das ist Ostern. Gott lehrt mich das Lachen trotz aller Ängste und Sorgen.
Das ist Ostern, wenn wir aufrecht und mutig durch unseren Alltag gehen. Trotz mancher Unsicherheiten.
Wenn Sonne und Licht unsere Wunden überstrahlen. Wenn Gott, der uns schuf, ganz nahe ist. 
 
Ihr Ronny Baier