Geschichte St. Laurentius und Herz Jesu Weinheim

 

Geschichte Herz Jesu

 
Das heutige Kirchengelände wurde in den Jahren 1910-12 von der katholischen Kirchengemeinde durch Kauf bzw. Tausch erworben. In jenen Jahren wurde die Vorgängerkirche der heutigen St. Laurentiuskirche am Marktplatz abgerissen und die jetzige katholische Stadtkirche erbaut. Das war der Anlaß am damaligen nördlichen Stadtausgang eine “Notkirche” zu errichten, die Herz-Jesu-Kirche. Diese Notkirche sollte nach der Fertigstellung der St.-Laurentius-Kirche wieder abgebrochen werden. In der Zwischenzeit hatte sich in der, nach dem 2. Weltkrieg stark wachsenden Nordstadt, bereits eine feste Gemeinde gebildet, die sich von dieser Kirche nicht mehr trennen wollte. Man entschloß sich daher, die Kirche stehen zu lassen und an jedem Sonntag zwei Gottesdienste sowie an zwei Werktagen einen Schülergottesdienst zu halten. Auf diese Weise entwickelte sich ein eigenes Pfarrbewusstsein. Es wurde jedoch keine eigene Pfarrei gegründet, vielmehr gehörten die Gläubigen der Nordstadt nach wie vor zu der Gemeinde St. Laurentius und wurden von deren Geistlichen seelsorgerlich betreut. Im Jahre 1950 wurde dann eine Pfarrkuratie errichtet. Der erste Pfarrkurat war Pfarrer August Scholl (1950...1966). Ihm folgte Pfarrer Alfons Bechthold (1966...1983). Im Jahr 1968 wurde Herz Jesu selbständige Pfarrei. Im Jahr 1973 kam die Kirchengemeinde Sulzbach als Filiale zu Herz Jesu hinzu. Nach dem Weggang von Pfarrer Bechthold im Jahre 1983 wurde die Pfarrei Herz Jesu mit ihrer Filiale Sulzbach dem Pfarrer von St. Laurentius zur Mit-Pastoration übertragen. 1993 erfolgt im Zuge der Neuordnung der Seelsorgesituation in den nördlichen Bach-Gemeinden die Abtrennung der Filiale Sulzbach zur Pfarrei Hemsbach. Das Pfarrgebiet ist identisch mit dem Stadtteil Nordstadt und wird begrenzt im Süden von der Weschnitz, im Westen von der Bahnlinie, im Norden von der Gemeindegrenze zu Sulzbach, im Osten durch den Bergkamm des Hirschkopfs (zugleich Stadt-, Landes- und Bistumsgrenze).
Eine über 100-jährige gemeinsame Geschichte In der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg wurden die Kirchen Herz Jesu und St. Laurentius neu renoviert
Bericht aus dem

100 Jahre Herz-Jesu-Kirche (mehr)

 
Berichte der Presse über die Renovierung 2015 
 
 

Geschichte St. Laurentius

St.Laurentiuskirche
St.Laurentiuskirche
Die Wurzeln der heutigen Stadtkirche reichen bis ins 8. Jh. n. Chr., wo an der gleichen Stelle die Kapelle "Maria in den Feldern" bezeugt ist.
Im Jahre 1293 stiftete Hedwig v. Swende eine neue Kirche. Belege hierfür finden sich auf einem Grabstein und einem Gedenkstein im Inneren der Kirche. Das neue, der Mutter Gottes geweihte Gotteshaus wurde von der Familie Swende dem Karmeliterorden übereignet, der neben der  Kirche ein Kloster erbaute. Infolge der Reformation und der anschließenden Glaubenswirren mussten die Karmeliter 1565 das Kloster verlassen und kehrten erst 1720 wieder nach Weinheim zurück. Etwa um 1700 wurde die Kirche dem hl. Laurentius geweiht und war bis zur Aufhebung des Ordens 1802 Klosterkirche.
Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in der Klosterkirche wesentliche bauliche Veränderungen vorgenommen, wobei der gotische Stil und der nach Osten gerichtete Chor zunächst erhalten blieben. Schließlich dachte man an einen Neubau. So wurde die heutige Kirche im Stil einer oberitalienischen Basilika nach dem Vorbild von San Lorenzo in Rom konzipiert, von 1911-13 erbaut und am 13. Mai 1914 vom Erzbischof von Freiburg geweiht. Die Barockaltäre und Kanzel der gotischen Kirche wurden übernommen, der Turm. der 60 Jahre früher erbaut worden war, wurde in den neuen Kirchenbau integriert. In den Jahren 1964-65 wurde die Kirche innen umgestaltet, wobei Vieles einem neuen Kunstverständnis zum Opfer fiel. Von 1981-1994 wurde die Kirche weitesgehend im ursprünglichen Bestand restauriert.
Das Pfarrgebiet erstreckt sich über die Stadteile Innenstadt und Müll und wird im Norden von der Weschnitz, im Osten vom Gorxheimer Tal, im Süden von Lützelsachsen und im Westen von der Bahnlinie begrenzt. )
Wie aus dem Bilderbuch Bericht aus dem 
Eine über 100-jährige gemeinsame Geschichte
In der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg wurden die Kirchen Herz Jesu und St. Laurentius neu renoviert
Bericht aus dem
 
 

Das Herdfeuer brennt seit 300 Jahren
Katholisches Pfarrhaus soll 2023 grundlegend saniert werden.
 
 
Stück für Stück kommt die Treppe zurück
Die historische Treppe der St. Laurentiuskirche wird aufwendig und originalgetreu restauriert/ In drei Wochen sollen die Arbeiten endgültig abgeschlossen sein Bericht der 
Königsinstrument in neuem Glanz
  • Orgel aus dem Jahr 1950 komplett saniert.
  • Einweihungskonzert am 11. September
  • 3000 Orgelpfeifen überarbeitet
  • Kosten: rund 350 000 Euro
Bericht der Weinheimer Nachrichten v. 31.8.16
Orgel in St. Laurentius klingt wie neu
Bericht der Rhein-Necker-Zeitung v. 1.9.16.
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Kruzifix ist nach langer Zeit wieder zu sehen.

Bilder: BorgenheimerBilder: Borgenheimer
Bilder: Borgenheimer
WN v. 19.03.08
Weinheim. Nachdem es Jahre lang unter Efeu verborgen lag, kann das aus dem 19. Jahrhundert stammende Sandsteinkruzifix, das zum Ensemble der Laurentius-Kirche und dem alten Kloster gehört, wieder betrachtet werden.Biegt man die Rote Turmstraße rechts vor der St.-Laurentius-Kirche ein, so fällt einem das neu sanierte Denkmal mit der Christusfigur auf, das seit Montag dieser Woche wieder die Grundstücksmauer des Pfarrgartens schmückt. "Es war in einem ziemlich maroden Zustand", erzählt Steinmetzin und Restauratorin Birgit Dursy. "Der Sockel, die Christusfigur und das INRI-Zeichen sind noch orginal, sie mussten nur restauriert werden. Aber Stamm und Balken des Kreuzes sind komplett neu." Das Material des Kruzifixes ist aus Maulbronner Sandstein. "Das gibt es gar nicht mehr", verrät die gebürtige Schwetzingerin, die an dem "filigranen Denkmal", wie sie sagt, besonderen Gefallen gefunden hat. Sie zeigt stolz auf die vergoldeten Buchstaben auf dem Sockel, die man nur von der Innenseite des Pfarrhofes aus sehen kann. "Das Besondere an dieser Aufschrift ist der Name des Pfarrers: Dr. Friedrich Kaijser".Weniger erstaunlich ist der Fund des Kreuzes an sich. Es komme wohl häufiger vor, dass Kruzifixe dieser Art in Restauration gegeben werden. Früher war es gängig, dem Pfarrer der Stadt, der üblicherweise auch im Kirchhof begraben wurde, ein Denkmal wie dieses zu setzten.Der Stiftungsratvorsitzende Karl-Hermann Schütz ist von dem Ergebnis begeistert: "Es ist eine Überraschung, was da rausgekommen ist". Das Kruzifix sei eine richtige Bereicherung für den Pfarrgarten. Das Bearbeiten von Stein wurde der Bildhauerin in die Wiege gelegt. Schon ihr Vater war Bildhauer und hatte sein Atelier im Schlossgarten von Schwetzingen, wo gewiss nur wenige Kinder ihre Jugend verbringen dürfen. Eines jedoch ist selbst für die geborene Restauratorin noch ungewohnt. Nur selten erlebt man die Weihe seines eigenen Werkes. Dieses wird am heutigen Gründonnerstag, 20. März, an Ort und Stelle um 18.30 Uhr durchgeführt. jg
Restauratorin Birgit Dursy zeigt auf die vergoldete Inschrift, die unter anderem den Namen des damaligen Pfarrers beinhaltet.

Kirchturm wird in "Christo-Manier" verpackt

WN v. 19.10.05
Weinheim. (pro) Restaurator Michael Dursy gerät ins Schwärmen, wenn er über die Handwerkskunst jener Steinmetze berichtet, die 1850 den Turm der St. Laurentiuskirche erbaut haben.
"Das waren unglaublich brillante Handwerker, nie wieder wurde in dieser Qualität gearbeitet", zollt er seinen "Kollegen" von einst höchsten Respekt. Doch auch die Experten des 19. Jahrhunderts hatten kein Geheimrezept, das ein Gebäude - noch dazu einen 55 Meter hohen Turm - vor Umwelteinflüssen bewahrt hätte. Und so steht der imposante Kirchturm jetzt zur Sanierung an.
Die jüngere "Schadensgeschichte" beginnt wahrscheinlich mit dem Sturm "Lothar", der 1999 dem Wetterhahn auf dem Turm "das Fliegen beibrachte". Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Turm an etlichen Stellen marode ist. Teile könnten herabstürzen, weshalb die Balustrade bereits mit Gerüst und Netz gesichert wurde. Aber auch an vielen anderen Stellen nagt der Zahn der Zeit an dem gelben und roten Sandstein. 380000 Euro wird die Sanierung voraussichtlich kosten, schätzen die Experten vom erzbischöflichen Bauamt. Zum Glück für die Gemeinde kommt für diesen Betrag die Pfälzer katholische Kirchenschaffnerei Heidelberg auf.
Rund ein Jahr sind für die Arbeiten veranschlagt, berichtete Dursy gestern bei einem Pressetermin, an dem auch Bruno Haun, Architekt des erzbischöflichen Bauamts, Claudia Baer-Schneider vom Regierungspräsidium Karlsruhe und Angelika Thieme vom Weinheimer Amt für Baurecht und Denkmalschutz teilnahmen. Denn der Turm der St. Laurentiuskirche am Marktplatz ist natürlich ein stadtgeschichtlich wichtiges Gebäude, das der Weinheimer Heinrich Hübsch (1795 bis 1862), Großherzoglich Badischer Baumeister, plante. Kurios: Der Turm entstand schon 60 Jahre vor dem Neubau der Kirche, die 1911 bis 1913 erbaut wurde. Die Wurzeln der heutigen Stadtkirche reichen freilich noch viel weiter zurück, nämlich bis ins achte Jahrhundert, als an gleicher Stelle die Kapelle "Maria in den Feldern" stand. 1293 stiftete Hedwig von Swende eine neue Kirche und übereignete sie dem Karmeliterorden, der daneben ein Kloster erbaute. Etwa um 1700 wurde die Kirche dem heiligen Laurentius geweiht. Nach etlichen baulichen Veränderungen entschlossen sich die Verantwortlichen dann zum Neubau der heutigen Kirche, die im Stil einer oberitalienischen Basilika konzipiert wurde.
Von 1981 bis 1994 wurde das Gotteshaus zuletzt umfassend restauriert. Jetzt ist also der Turm an der Reihe, der dazu vollständig eingerüstet wird, inklusive Dach. "Das sieht dann fast aus wie bei Christo", scherzte gestern einer der Experten, während Michael Dursy die Pressevertreter auf der engen Treppe des Turmes nach oben begleitete, wo schon etliche Tauben ihr "Geschäft" gemacht, aber mitunter sogar ihren "letzten Flügelschlag" getan haben. Auf der Balustrade erkannte dann auch der Laie die tiefen Risse im Sandstein.
 

80 Tonnen schweres Stahlgerüst (WN v. 15.3.06)

Weinheim. (pro) Für den 42,50 Meter langen Weg nach oben braucht der wahrscheinlich längste Fahrstuhl Weinheims gut zwei Minuten. Dann steht man auf der Balustrade des Turmes der Laurentiuskirche, die seit Oktober saniert wird. Ein atemberaubender Rundblick entschädigt für das mulmige Gefühl, das sich bei der gemächlichen "Cabrio-Fahrt" am Baugerüst beim Laien einstellt.
Die Experten - allen voran Restaurator Michael Dursy und Dachdeckermeister Werner Schilling - hatten damit natürlich kein Problem, als sie gestern gemeinsam mit dem Bauherrn und den Denkmalschützern den Turm in Augenschein nahmen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Bis August wird die Sanierung voraussichtlich dauern; dass der Schlosshof bis zur Kerwe wieder frei ist, konnte Dursy jedoch nicht versprechen. Auch die Verwaltungsspitzen Heiner Bernhard und Torsten Fetzner ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, ihre Stadt von oben zu betrachten. Beeindruckt zeigten sie sich nicht nur von der Handwerkskunst des Turmes, sondern auch von der Statik des Gerüstes. Schilling lieferte dazu die Fakten: Sechs Wochen - inklusive Frostpausen - dauerte der Aufbau, allein die Statikberechnungen kosteten 15000 Euro. Denn das Baugerüst steht nur im Schlosshof auf dem Boden; wegen der direkt angrenzenden Nachbardächer sind die übrigen drei Seiten frei tragend. 80 Tonnen Stahlrohr waren nötig, um den Turm einzurüsten. "Auch für einen alten Hasen wie mich war das Neuland", schmunzelte Schilling.
WN v.13.4.2010
St. Laurentius: Die Steinmeyer-Orgel erklingt seit 60 Jahren in der Kirche / 
Morgen Abend Festkonzert mit Prof. Daniel Roth
Groß und Klein machen hier Musik
 
 Die kleinste Pfeife istwenige Millimeter groß, die größte bis zu fünf Meter. Gemeinsam lassen sie wundervolle Klänge ertönen.
Weinheim. 60 Jahre sind vergangen seit im April 1950 die neue Steinmeyer-Orgel der St. Laurentiuskirche eingeweiht wurde. Unmittelbar nach der Währungsreform hatte sich die St.-Laurentius-Gemeinde unter großen finanziellen Opfern zu diesem Neubau entschlossen, noch bevor die im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Glocken wieder beschafft worden waren. Das alte Instrument aus dem Jahre 1913 hatte so viele Mängel, dass eine Reparatur nicht empfehlenswert war. Nahezu die Hälfte der Pfeifen sowie der Hauptteil des Prospektes stammte aus der Orgel von 1870. Das Holz war wurmstichig geworden, der zum Spielen notwendige Luftdruck reichte wegen Undichtigkeiten nicht mehr aus. Außerdem war der Klang des Instruments zu schwach für die große Kirche. Mit dem Bau einer vollständig neuen Orgel beauftragt wurde die Firma Steinmeyer aus Oettingen, die sowohl für ihre sorgfältige handwerkliche Arbeit, als auch für ihren meisterhaften Intonateur Hans Röttger weltweit bekannt war. Entsprechend groß war die Anerkennung in der Fachwelt, als das Instrument - einer der ersten größeren Orgelneubauten der Nachkriegszeit in Südwestdeutschland - am Palmsonntag 1950 eingeweiht wurde. Besonders hervorgehoben wurde die sorgfältige Arbeit, die für jene Zeit sehr fortschrittliche, aber auch heute noch völlig befriedigende Registerzusammenstellung und die meisterhafte klangliche Anpassung des Instruments an die akustischen Eigenschaften des Raumes. Im Jahre 1982 wurde die Orgel überholt und erweitert. Sie umfasst jetzt 44 Register (44 Pfeifenreihen mit eigener Klangfarbe) mit nahezu 3000 Pfeifen, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Die kleinsten dieser Pfeifen sind nur wenige Millimeter groß, die größten beinahe fünf Meter. Mit ihnen werden in der Höhe und in der Tiefe die Grenzen des menschlichen Hörvermögens erreicht. Im gleichen Jahr wurde auch eine elektronische Speicheranlage (Setzer) eingebaut, eine technische Hilfe für den Spieler, mit der er vor Beginn des Spielens zahlreiche Registergruppierungen zusammenstellen, speichern und im gegebenen Zeitpunkt abrufen kann. Seit 1950 erklingt die Orgel an jedem Sonn- und Feiertag im Gottesdienst, früher auch an vielen Wochentagen, insgesamt schon weit über 10 000 Mal. In mehr als 100 Konzerten diente sie zur Wiedergabe der großen Werke der Orgelmusik. Der „Geburtstag“ der Orgel ist der Anlass für ein festliches Jubiläumskonzert am Mittwoch, 14. April, um 20 Uhr. Es spielt einer der weltweit führenden Organisten, Prof. Daniel Roth, Titularorganist der großen Cavaillé-Coll-Orgel (102 Register, 5 Manuale) von St. Sulpice, Paris. Das Programm ist ganz auf den freudigen Anlass abgestimmt und lässt die vielfältigen Klangmöglichkeiten der Steinmeyer-Orgel hören. 
Eintrittskarten gibt es an der Abendkasse. Die Konzertbesucher sind nach dem Konzert zu einem Empfang im Raum 2 des Pfarrhauses eingeladen. Sie haben dabei die Gelegenheit, mit dem Künstler und untereinander ins Gespräch zu kommen.  
 

WN v. 18.11.11
Bei Sturm und Regen Grundstein gelegt.
WEINHEIM. In einem festlichen Gottesdienst gedenken Weinheims Katholiken am morgigen Samstag um 19 Uhr des 100. Jahrestags der Grundsteinlegung für die heutige St.-Laurentius-Kirche am Marktplatz. Damit beginnen zugleich die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Kirchenjubiläum, das am 14. Mai 2014, dem 100. Jahrestag der Konsekration des Neubaues durch den Freiburger Erzbischof Dr. Thomas Nörber, seinen Höhepunkt erfahren wird. Als am 19. November 1911 der Cäcilienverein unter seinem Dirigenten Alphons Meißenberg mit Mozarts Ave Verum auf der Baustelle gegen Regen und Sturm ansang, hatte Weinheim 14 170 Einwohner und unter ihnen 3539 Katholiken neben 10 346 Protestanten, 188 Israeliten, vier Altkatholiken und 93 Bürger anderen Bekenntnisses.
Demütiges Gefühl
In der Festpredigt formulierte Kaplaneiverweser Ernst Irion (Waldshut) die Stimmungslage der Weinheimer Katholiken: das Gefühl der Demut, mit dem man von einem ehrwürdigen Gotteshaus Abschied nimmt, und das Gefühl der Freude, dass sich am gleichen Platz, an dem die alte Kirche seit über sechs Jahrhunderten stand, bald ein stolzer Neubau erheben würde.
Schon seit 1850 kündigte ihn der von Heinrich Hübsch, dem aus Weinheim stammenden, großen badischen Baumeister errichtete Glockenturm an. Aber immer wieder hatten kriegerische und innenpolitische Ereignisse den Kirchenneubau verzögert, ehe 1910 die Entscheidung für den Abbruch der alten, nach Osten ausgerichteten Klosterkirche und den Neubau der um 180 Grad gedrehten neuen St.Laurentius-Kirche gefallen war. Die vom Dekan des Landkapitels Weinheim, Pfarrer Gustav Becker, verlesene und dem Grundstein beigefügte Urkunde ist ein stadt- und zeitgeschichtliches Dokument. Vorstand des Großherzoglichen Bezirksamtes Weinheim war 1911 Geheimer Regierungsrat Karl Steiner, Weinheimer Bürgermeister Heinrich Ehret. Pfarrer der einzigen katholischen Gemeinde war Dekan Gustav Becker, Vikar Johann Hoffmann.
In der Ulner’schen Kapelle wirkte als Benefiziat Ferdinand Joseph Lehmann. Mitglieder des Stiftungsrates waren Männer, die auch in der Kommunalpolitik wichtige Aufgaben erfüllten: Tünchermeister Franz Bleienstein, Schreinermeister Adam Lutz, Schneidermeister Michael Ebert, Kunst- und Handelsgärtner Valentin Schropp und Kaufmann Emil Willenbücher.
280 000 Goldmark Baukosten
Die Mittel zur Erbauung der neuen Kirche und zum Umbau des alten Klosterflügels in das künftige und heutige Pfarrhaus übernahm die Schaffnerei Heidelberg als Rechtsnachfolger des ehemaligen Karmeliterklosters. Die Bausumme war mit 280 000 Goldmark kalkuliert, für den Pfarrhausumbau waren 36 000 Mark vorgesehen. Die neue Kirche, zu deren Chorerweiterung der Nachbar, Sigmund Graf von Berckheim, 12 Quadratmeter
aus seinem Schlossgarten stiftete, entstand nach den Plänen des Erzbischöflichen Bauamtes Heidelberg.
An den Rohbau- und Innenarbeiten wurden die Weinheimer Firmen Adam Charbon, Wilhelm Krämer, Anton Fischer, Johann Kern, Heinrich Grimm, Michael Schäfer, Hermann Franzmann und Peter Klein
beteiligt. Der Urkunde wurden die Tagesausgaben des „Weinheimer Anzeigers“, der „Weinheimer Zeitung“, des „Pfälzer Boten“ aus Heidelberg, des „Badischen Beobachters“ aus Karlsruhe und des „Neuen Mannheimer Volksblattes“ beigefügt, außerdem aktuelle Münzen, Wein und Ähren aus dem Jahre 1911 und eine Fotografie der alten Karmeliterkirche.
Während der Bauzeit fanden die katholischen Gottesdienste übrigens in der Ulnerkapelle und in der 1910 erbauten und dem Heiligen Herzen Jesu geweihten „Notkirche“ statt, der heutigen Herz-Jesu-Kirche in der Nachbarschaft der Stadthalle.