Wochenimpuls: Der Friede sei mit euch
31.03.2026 |
Liebe Leserinnen und Leser,
77 Jahre lang hatten wir Frieden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Selbst der Fall der Mauer 1989 und die deutsche Wiedervereinigung sind friedlich verlaufen. Wir haben uns an den Frieden gewöhnt hierzulande. Doch dann befahl am 24. Februar 2022 der russische Despot Wladimir Putin die Invasion in der Ukraine, nachdem er sich ja schon zuvor 2014 die Krim völkerrechtswidrig einverleibt hatte. Auf einmal herrscht wieder Krieg in Europa und auch hierzulande wurden gerade bei alten Menschen die Bilder wieder wach, wie es war, in den Keller oder Bunker zu flüchten., sobald die Sirenen heulten. Der Friede in Europa, den wir so fest glaubten, ist zerbrechlich geworden.
Und seither sind noch weitere blutige Kriege dazugekommen. Nach den grausamen Massakern im Oktober 2023 in Israel der Krieg gegen die Hamas, der sich zuletzt zu einer humanitären Katastrophe entwickelte und aktuell der Krieg gegen die Mullahs in Teheran, deren Gottesstaat in den letzten Jahren viele tausend zivile Opfer forderte. Auch im Sudan und anderen Ländern Afrikas kommen die Menschen nicht zur Ruhe angesichts von Bürgerkriegen und Terroranschlägen … Wie soll man da die Osterbotschaft: „Der Friede sei mit euch!“ ernstnehmen? Kann der Osterglaube Frieden sichern?
Ich denke da an ein Gedicht von Mascha Kaleko aus dem Jahr 1945: Ich möcht in dieser Zeit nicht Herrgott sein / Und wohlbehütet hinter Wolken thronen, / Allwissend, dass die Bomben und Kanonen / Den roten Tod auf meine Söhne spein. / Wie peinlich, einem Engelschor zu lauschen, / Da Kinderweinen durch die Lande gellt. / Weißgott, ich möchte um alles in der Welt / Nicht mit dem lieben Gott im Himmel tauschen.
Mascha Kaleko musste vor den Nazis fliehen, fühlte sich heimatlos und verloren, fand Halt in der Dichtung. Sie schrieb diese Zeilen aus dem Erleben der Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs und der Judenvernichtung heraus und trifft damit die Fragen so vieler: Wo ist der Friede? Wo ist Gott? Warum all dieses Leid?
Auch ich habe keine Antwort auf diese Frage. Und frage mich angesichts der Kriege und Gräuel unserer Tage vielmehr: Was ist aus dem Menschen geworden? Warum tun wir uns dies einander an? Ich will, wie Mascha Kaleko, auch nicht Herrgott sei. Denn das hieße doch letztlich, selbst Gewalt anzuwenden und dreinzuschlagen, um den Menschen zur Vernunft zu bringen, der sich so weit vom Schöpfungsfrieden entfernt hat. Letztlich würde ich den Menschen dadurch entmündigen und die stete Angst versetzen, ihn auszulöschen, wenn er nicht gottgefällig lebt.
Gott hält die Freiheit des Menschen aus, auch, dass der Mensch immer wieder auf Abwege gerät. Aber dennoch ist ihm der Mensch nicht egal. Das Leiden und Sterben Jesu zeigen mir sein Mitleiden. Und es ist der von den Wundmalen gezeichnete Auferstandene, der seinen Jüngern wünscht: „Der Friede sei mit euch“.
Jesus beruhigt die Jünger mit dieser Ostergabe. Sein Friedenswunsch löst die Schockstarre, in welche die Jünger nach Jesu Kreuzigung verfallen waren. Aus Furcht hatten sie die Türen verrammelt. Sie wollten die böse Welt draußen lassen. Drinnen herrscht bedrückende Enge.
Gleichsam wie in einem Bunker. Der Auferstandene muss gleichsam Sicherheitstüren überwinden. Wann immer der österliche Jesus Menschen begegnet, spricht er ihnen Frieden zu, ein untrügliches Zeichen der Nähe Gottes. Das heißt: wenn Friede einzieht, verwirklicht sich Ostern.
Gott ist kein Kriegsgott, er lässt sich nicht dazu instrumentalisieren. Seine Bewegung ist eine Friedensbewegung. In Gebet und Solidarität verbinden wir uns mit allen Menschen, die Frieden suchen. Im Beten geben wir der Klage über den Krieg, der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit und solidarisch der Verzweiflung der Opfer eine Stimme. Wir verstummen nicht mutlos angesichts der aktuellen Ereignisse in der Ukraine, in Israel, Gaza und dem Westjordanland, im Libanon, im Iran und den Golfstaaten, im Sudan und an so vielen anderen Orten der Welt.
Ostern lässt uns darauf hoffen, dass die Mächte des Todes und das egoistische Handeln der Kriegstreiber überwunden werden können. Nur ein einziges Mal ist in der Bibel vom „heiligen Krieg“ die Rede. Diesen führt Gott selbst gegen alle menschliche Hybris und militärisches Machtgebaren. Nachzulesen beim Propheten Joel. Deutlich mehr Propheten haben die Vision weltweiter Abrüstung und bleibenden Friedens. Gott hat dem Krieg den Krieg angesagt. Alle Gewalt muss enden, damit auf Erden Friede und Sicherheit einkehren. Ostern bezeichnet den Sieg über Krieg und Tod zugunsten von Frieden und Leben. So wünsche ich uns allen ein friedvolles Osterfest.
Ihr Ronny Baier