Wochenimpuls: Bleibende Mahnung
21.07.2026 |
Liebe Leserinnen und Leser,
diesen Montag jährte sich zum 82. Mal der gescheiterte Versuch von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen Widerstandskämpfern, Adolf Hitler zu ermorden. Bei den Gedenkfeiern wurde auch in diesem Jahr wieder an die mutigen Männer und Frauen erinnert, die ihr Leben für den Widerstand gegen das NS-Regime opferten.
Das Gedenken an das gescheiterte Attentat vom 20. Juli 1944 darf jedoch nicht allein eine Rückschau auf ein historisches Ereignis sein, sondern vielmehr eine Mahnung und Verpflichtung für die Gegenwart. Es ist angesichts des Erstarkens der politischen Rechten bei uns und in anderen europäischen Ländern notwendig, offen für Freiheit und Menschenrechte einzutreten und in der Verteidigung der Demokratie nicht nachzulassen.
Unsere Demokratie lebt davon, dass sich aktive Bürgerinnen und Bürger in ihr engagieren und dass wir uns im Alltag mit Respekt begegnen. Dazu gehört auch die Unterstützung für diejenigen, die sich beruflich für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen, ob das bei der Polizei, bei Feuerwehren, Rettungsdiensten oder dem Katastrophenschutz ist.
Wie viel Gewalt, Hass und Feindseligkeit erleben diese jeden Tag bei ihren Einsätzen. Deswegen lebt unsere Demokratie heute mehr denn je davon, dass wir alle jeder Art von Menschenfeindlichkeit und jedem Extremismus entgegentreten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte beim Gedenken zum 80. Jahrestag des 20. Juli 1944 zurecht: „Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war nötig, weil die Demokratie von Weimar nicht die Unterstützung hatte, die sie brauchte." Gerade deshalb ist heute das Engagement für eine freiheitliche Demokratie das Gebot der Stunde. Nicht Hass und Hetze und erst recht nicht Gewalt. Denn all das zerstört unsere freiheitliche Demokratie.
Weil die Demokratie 1944 in Deutschland längst unter die Räder gekommen ist und das Unrecht zum Himmel schrie, entschieden sie sich Claus Schenk Graf zu Stauffenberg und seine Unterstützer dafür, dem Rad in die Speichen zu fallen, wie Dietrich Bonhoeffer es formulierte. Sie entschieden sich dafür eine Bombe zu legen, um Mord und Krieg ein Ende zu bereiten.
Und damit stellten sie sich außerhalb von Gesetz und Ordnung. Aber sie liefen nicht weg, sondern stellten sich ihrer Verantwortung. Auch wenn sie gegen das Gesetz handelten, sie wollten unter keinen Umständen mehr Mitläufer sein. Kein „gesundes Volksempfinden“ unterstützte sie. Im Gegenteil, nachdem das Bombenattentat gescheitert war, wurden sie sofort erschossen bzw. in Schauprozessen gnadenlos vorgeführt.
Manchmal macht die Stimme des Gewissens, die Gott uns Menschen schenkt, sehr einsam. Das ist auch heute noch so. Wer mit seinem Gewissen gegen die Mehrheit steht, der braucht viel Kraft, um die Rolle des Außenseiters zu tragen. Die Attentäter von 20. Juli hatten gespürt: ich bin dafür verantwortlich, ob ich auf mein Gewissen höre. Diese innere Stimme ist ein Geschenk, das ich zum Besten der Menschen einsetzen muss. Und da bin ich dann auch wieder beim persönlichen Einsatz gegen Gewalt, Hass und Feindseligkeit, gegen Rassismus und jeglichen Fremdenhass, beim Engagement für eine freiheitliche Demokratie, auf dass sie in unserem Land nicht wie 1933 wieder unter die Räder kommt.
Ihr Ronny Baier




